Seelenwerke
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Winterherz II

Während ich ein altes Foto betrachte

gedenke ich den Seelen jener Augenblicke, welche

durch des Fotos Aug. nun geprägt.

 

Mein Körper sitzt hier verborgen

diese stummen Zeilen schweigsam atmend,

während meine Gedanken zu längst verstaubten Momenten reisen,

welche geheimnisvoll Erinnerung flüstern.

 

Mein sinnlich Aug. ertastet jene Räume,

die bereits längst von der Zeiten Sarg geziert.

Auch haben meine Schriften

schon längst diese Momente erklommen,

welche sich mir im gleißenden Spiegel

der Realität offenbaren,

obgleich sie nur von der Augen Strahlen je berührt,

doch von keinem Herzschlag je vernommen wurden...

 

Was spricht das Foto dem Betrachter zu,

während goldene Momente in seinen Klauen ewiglich erfrieren

und jedem Aug. nackt dargeboten werden?

Es zeigt zwei Herzen, zu einem Schlag vereint

inmitten einer Winterlandschaft stehen;

taube Äste greifen von schlafenden Bäumen

in die Abendglut hinein,

als wollten sie ihre Umarmung in sich gierig einsaugen.

 

Das Paar lächelt, während

ihre Körper eng verbunden

durch des Herzens Ruf und der Kälte.

Was sie wohl in jenem Augenblick gedacht ?

Welche Pläne sie wohl zu dieser Zeit geschmiedet ?

 

Unter ihren Füßen breitet

der Winter seinen Teppich aus,

als wollte er sie auf einen sicheren Weg geleiten.

In ihren Augen spiegelt sich

das Glück des Augenblicks wieder;

Was wohl kurz nach
diesem Foto mit ihnen geschah ?

 

Ob ihre Herzen immer noch von jenem geheimnisvollen Ruf verbunden,

ob ihre Augen jemals noch zusammentreffen,

oder ob sie bereits ihren Atem

dem Winter zurückgeschenkt,

der sie an diesem Tag gastfreundlich aufnahm ?

 

Lediglich der Moment ist in jenem Bild erfroren

und kein Mund erzählt ihre Geschichte weiter,

die vor und nach diesem Moment

ihr Leben bestimmt hat.

Für fremde Augen unsichtbar, sind ihre Leben auf diesen Augenblick gebrannt,

der von ihrer Existenz kündet

und niemand kennt ihren weiteren Lebensweg...

 

Niemand, außer mir, der ich nun in mein eigenes Gesicht blicke,

welches von deinen Strahlen wart erhellt an diesem Tag.

Nur ein Augenblick, herausgegriffen aus unserem Leben,

jedoch ein wichtiger Moment für uns

und noch während ich meine Augen schließe,

beginnt sich das Bild frei zu bewegen,

denn es weiß nichts mehr von dem starren Griff der Zeit

und ich kann sogar noch unsere Worte hören,

während der Schlaf mich still zu dir geleitet,

um jenen Tag noch einmal zu leben...


(Aus dem Buch "Feuertaufe"- Sebastian Radu Groß)

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