Seelenwerke
Seelenwerke

Weg der Seele

Schweigt für einen Augenblick

und lauscht der endlosen Stille eures Herzens, welches

nur Ruhe als Echo zu euch trägt.

 

In den Ketten des Tages, im Sturm der Zeit

wurden weise Worte an mein Ohr getragen, welche

ich euren Herzen schenken möchte, auf dass

auch ihr versteht, warum wir Freude und Trauer atmen...

 

Weißes Haar umwallte sie,

als sie mir von ihrem jüngsten Traum erzählte;

sie lag im Bett, gebeugt von des Tages Last

als der Schlaf leis´ zu ihr kam.

Sie lies denn diese Welt los, zu betrachten Träume mit geschlossenen Augen,

doch war der Schlaf heute nicht allein, denn

immer tiefer sank sie in die Dunkelheit, hinter der

sich warme Träume anschickten ihr zu begegnen.

 

Sie fand sich in einer Welt von der

kein lebendiges Wort je zu künden vermag.

Auf einer Mauer sah sie ihren verstorbenen Ehemann liegen;

sein Gesicht wandte sich ihr zu und lächelte,

von willkommener Wärme in dieser unbekannten Welt kündend.

Eine Frau, ganz in Weiß, stand zu ihrer Rechten

die Träumerin konnte sie lediglich anstarren

mit Geborgenheit und furchtloser Hoffnung hinter ihren geschlossenen Augen.

Die Alltagswelt ward völlig fern und doch

rief ihr Körper sie aus jenem Abgrund der Wärme zurück,

obgleich sie diese schöne Welt nicht verlassen wollte.

 

In ihrem Bett öffnete sie ihre Augen

und erkannte die gewohnte Welt.

Noch ehe die sterbliche Welt sie wieder völlig an sich gebunden,

keimte Hoffnung in ihrem Herzen auf,

erlosch die Furcht vor dem Tod für immer aus ihren Gedanken

mit der Gewissheit, dass in seine ewig schwarzen Armen

Geborgenheit und Wärme auf sie warten.

 

 

Die Furcht vor dem Tod wird nur durch Furcht genährt,

denn unser Körper klammert sich verzweifelt an das Leben;

die unbekannte, ewige Nacht betrachten wir als schrecklichen Dämon,

doch was, wenn sich dahinter für jeden von uns

Freiheit und Geborgenheit verbergen?

Den wahren Tod muss die Furcht vor dem Unbekannten sterben, um

zu erkennen, dass unser Weg nicht endet, wenn

unser Herz nicht mehr schlägt. Die sterbliche Welt ist lediglich

einige Schritte unseres Weges auf jener Seelenreise, die unbekannt

begann und in Ungewissheit endet.

 

So atmet jeden Tag als Teil eures Weges

und verbrennt eure Furcht mit Hoffnung auf Unbekanntes,

wenn ein jeder von uns jene Welt erblickt,

von dem kein lebendig´ Wort je künden mag,

werden wir erfahren, auf welche Reise uns die Schwingen tragen,

vor denen wir ein Leben lang die Augen verschlossen,

doch unsere Herzen geöffnet haben.

(Aus dem Buch "Lichtbringer"-Sebastian Radu Groß)

 

 

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